Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

– Veränderungen mag er in der Regel nicht. Kein Wunder, bringen diese doch die Ungewissheit mit sich, was nach ihnen kommt. Außerdem stören sie die Routinen, die sich jede und jeder Einzelne erschaffen hat, um den Alltag zu bewältigen. Schauen Sie auf sich selbst: Wenn im Supermarkt mal wieder umgeräumt wurde, freuen oder ärgern Sie sich eher?

Die sozial-ökologische Wende ist nun die wohl umfangreichste gesellschaftliche Veränderung der Nachkriegszeit. Ihr Ziel ist nicht weniger als ein grundlegender Umbau unserer Wirtschafts- und Lebensweise. Das beginnt bei der Umstellung auf Erneuerbare Energien, setzt sich fort bei den Gütern, die wir produzieren und konsumieren – bis hin zu einem neuen Konsens darüber, was uns als Gesellschaft zukünftig wichtig ist. Alles muss einer Prüfung unterzogen und gegebenenfalls geändert werden.

Und entsprechend große Widerstände bauen sich auf. Diese beginnen bei grundlegenden Zweifeln am menschengemachten Klimawandel und setzen sich fort bis zur Ablehnung konkreter Infrastrukturen, die zum Beispiel für die Energiewende benötigt werden. Diese Widerstände müssen ernst genommen, ihre Motive beleuchtet und mögliche Handlungsalternativen diskutiert werden.

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Sebastian Götte

Sebastian Götte - Ich erwecke Ihre Daten zum Leben
Strommast
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Akzeptanz als zu schaffender Zustand

Akzeptanz wird definiert als die Chance, für bestimmte Meinungen, Maßnahmen, Vorschläge oder Entscheidungen bei einer Personengruppe ausdrückliche oder stillschweigende Zustimmung zu finden. Diese Personengruppe leistet dann aktive oder passive Unterstützung bei der Durch- oder Umsetzung. Setzt man sich genauer mit Akzeptanz auseinander, zerfällt sie in verschiedene Konstrukte. Wüstenhagen et al. (2007) differenzieren zum Beispiel in einem Mehrebenenmodell zwischen sozio-politischer Akzeptanz, Akzeptanz in der Gemeinschaft und Marktakzeptanz. Nach Aktivitätslevel betrachtet, kann man mit Schweizer-Ries et al. (2012) aktive und passive Akzeptanz bzw. Ablehnung sowie Indifferenz unterscheiden.

Akzeptanzforschung hilft, Akzeptanz herzustellen

Akzeptanzforschung stellt die Frage, welche Faktoren die Zustimmung zu Veränderungen begünstigen und welche sie verhindern. Die sozialpsychologische Forschung kennt einige Modelle, die dies beschreiben. So stellen Huijts et al. (2012) in einem komplexen Modell dar, wie das Zusammenspiel rationaler, moralischer und emotionaler Motive zur Bildung von Akzeptanz führen kann. Wir wenden diese verschiedenen Modelle bei der Akzeptanzforschung im Bereich Nachhaltigkeit und Umwelt auf ganz konkrete Situationen an. Zum Beispiel auf den Ausbau der Überland-Stromtrassen oder Erneuerbare Energien im ländlichen Raum.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Menschen zu etwas zu überreden. Akzeptanz beruht letztlich auf einer freiwilligen Entscheidung. Im Zweifel muss sie in intensiven Diskursen durch gegenseitiges Verstehen und mit überzeugenden Argumenten erarbeitet werden. Akzeptanzforschung kann dabei den Status Quo der Einstellungen in verschiedenen Stakeholdergruppen ermitteln. Sie kann Denk- und Interpretationsmuster offenlegen und miteinander vergleichen. Darauf aufbauend kann sie Strategien entwickeln, wie eine bessere Verständigung über den betreffenden Sachverhalt möglich ist. Und sie kann die Akzeptanzchancen möglicher Handlungsalternativen ermitteln. Im Sinne einer guten Begleitforschung ist sie damit ein wichtiger Kompass durch Veränderungsprojekte.

Umwelt und Nachhaltigkeit
Daumen hoch
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Was können Sie von uns erwarten?

Akzeptanzforschung hat das Ziel, konkrete Handlungsempfehlungen für die Gestaltung von Wandel zu entwerfen. Sie schafft unter anderem Erkenntnisse über:

  • die Akzeptanzverteilung zu bestimmten Prozessen oder Objekten in der (betroffenen) Bevölkerung
  • hemmende und begünstigende Faktoren für diese Akzeptanz
  • Anknüpfungspunkte für sinnvolle Diskurse zwischen Gegnern und Befürwortern eines Gegenstandes
  • Maßnahmen zur Erhöhung der Akzeptanz